Stadtrat will den Supermarkt im grünen Zentrum

Frühere Beschlüsse umgeworfen – der Vorschlag Schwere-Reiter-Straße scheidet aus dem Rennen aus

Von Thomas Kronewiter und Ellen Draxel

München, 8 Oktober 2008: Das Einkaufszentrum für den Ackermannbogen kommt in die grüne Mitte. Dafür hat am gestrigen Mittwoch mit knapper Mehrheit die Vollversammlung des Stadtrats votiert und damit frühere Beschlüsse umgestoßen. Verworfen haben die Stadträte die Alternativlösung an der Schwere–Reiter-Straße. Der Vollsortimenter wird nun mit einer Fläche von 800 bis 900 Quadratmetern sowie schallgedämmten Stellplätzen im Quartierszentrum weitergeplant – kleiner als bisher vorgesehen. Deutlich wurde bei den Wortmeldungen, dass mit dem geänderten Votum keine Festsetzung des Areals als Kerngebiet beabsichtigt ist: Das schließt andere Handelsbetriebe, Gastronomie sowie zentrale Einrichtungen aus Wirtschaft und Verwaltung weitgehend aus.

Im Namen der CSU sprach sich gleichwohl Elisabeth Schmucker vehement für die Lösung Schwere-Reiter-Straße aus, der nun „trotz des engen Zeitrasters eine fragwürdige Alternative” entgegengestellt werde. Experten hätten im vergangenen Jahr schlüssig erklärt, warum sich ein Vollsortimenter nicht mit einem grünem Zentrumsplatz vertrage. Da ein Vollsortimenter eine Verkaufsfläche von 1500 Quadratmetern benötige, sei die Pleite programmiert. In der Folge, so Schmucker, werde sich der von allen unerwünschte Discounter ansiedeln. Diese Argumente konnten nicht alle ihre Fraktionskollegen überzeugen: Walter Zöller und Evelyne Menges stimmten wie die komplette SPD, vier Vertreter der FDP, drei der Linken, BIA sowie OB Christian Ude für den Standort Mitte.

Erst vergangene Woche war die Standortdiskussion in der Sitzung des städtischen Planungsausschusses wieder aufgeflammt, nachdem der Westschwabinger Bezirksausschuss im Mai – knapp ein Jahr nach dem Stadtratsbeschluss für den Bau des Supermarktes an der Schwere-Reiter-Straße – erneut einen Antrag für die Zentrums-Lösung eingereicht hatte. Die Argumentation war dieselbe geblieben: Ein Supermarkt in der Mitte des Viertels wäre für alle Bewohner zu Fuß erreichbar und würde auch älteren Menschen und Rollstuhlfahrern die Teilhabe am sozialen Leben ermöglichen. Außerdem hätte der Ackermannbogen damit auch stadtplanerisch ein Zentrum. Dagegen die Argumentation der Befürworter der Südlösung : Ein kleiner Supermarkt mit 800 statt den zunächst geplanten 1500 Quadratmetern könne sich langfristig nicht tragen, außerdem müsse der Autoverkehr aus dem Viertel herausgehalten werden. Zwar ist die Entscheidung gefallen, die Debatte aber dürfte weitergehen. Sie war schon vor der Entscheidung am Mittwoch im Viertel wieder angeheizt worden.

Dass auch der Beschluss die annähernd gleich starken Lager am Ackermannbogen nicht befrieden dürfte, sah der OB jedenfalls voraus: Die unterlegene Hälfte werde sich wie in der Vergangenheit zu Wort melden. Bei der Bürgerversammlung für Schwabing-West am heutigen Donnerstag um 19 Uhr in der Kreuzkirche besteht dazu Gelegenheit.

Ackermannbogen: Rathaus überdenkt früheren Beschluss

Rückkehr ins Zentrum

Der Standort eines Vollsortimenters entscheidet sich am kommenden Mittwoch

Von Ellen Draxel

München, 1.Oktober 2008: Der vieldiskutierte Vollsortimenter für den Ackermannbogen könnte nun doch in der Mitte des Viertels gebaut werden. In der Sitzung des Stadtrats-Planungsausschusses am gestrigen Mittwoch bildeten sich erneut zwei Fronten: Stadträte von SPD, FDP, Freien Wählern und der Linken sprachen sich für einen kleineren Supermarkt im Zentrum aus. Sie folgten damit dem Vorschlag des Bezirksausschusses Schwabing-West, der auch vom Planungsreferat favorisiert wird. Dagegen plädierten CSU und Grüne nach wie vor für die große Lösung an der Schwere-Reiter-Straße.

„Wir wollen weiter den Zentral-Standort, weil er für jeden im Viertel zu Fuß erreichbar ist”, warb der Bezirksausschussvorsitzende Walter Klein (SPD). Gegen den Willen der Grünen hatte das Gremium erneut einen Antrag für einen kleineren Vollsortimenter in der Mitte des Neubaugebietes gestellt. Die Forderung der Lokalpolitiker wird von einem Großteil der Ackermannbogen-Bewohner mitgetragen, wie sich bei der Bürgerversammlung und in Unterschriftenlisten gezeigt hatte. „800 Quadratmeter Verkaufsfläche halten wir für ausreichend”, befand Klein. Er habe sich mit einem möglichen Betreiber unterhalten: „Er hat mir versichert, dass das Niedrigpreissegment trotz des geringeren Platzes voll integriert sei.” Günstige Angebote wären also durchaus zu finden.

Ähnlich äußerte sich Claudia Tausend, Planungssprecherin der SPD im Stadtrat: „Wenn die Betreiber gefragt werden, wünschen sie sich mittlerweile fast die Größe eines Warenhauses.” Zurecht kämen sie aber auch mit weniger. Robert Brannekämper (CSU) konnte dem nicht zustimmen. „Laut Gutachten sind mindestens 1500 Quadratmeter Verkaufsfläche nötig, um eine langfristige Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen.” Für Boris Schwartz von den Grünen liegt die Crux der Zentrumslage im Autoverkehr: „Wir würden damit den Verkehr in das Viertel zusätzlich reinziehen.” Dass das Thema erneut den Weg in den Stadtrat gefunden hat, ist die eigentliche Überraschung. Denn die Entscheidung war bereits im Juli 2007 in trockenen Tüchern gewesen. Damals hatte die Vollversammlung nach jahrelanger Debatte für den Vollsortimenter im Süden gestimmt. „Nur der Transrapid und die zweite Stammstrecke der S-Bahn haben uns im Stadtrat ähnlich viel Zeit gekostet”, meinte Tausend deshalb.

Seit Juli 2007 wird der Entwurf des Bebauungsplanes überarbeitet, der Flächennutzungsplan verändert. Die neue Variante, die das Planungsreferat jetzt auf Kleins Vorschlag hin ausgearbeitet hat, sieht 800 Quadratmeter Verkaufsfläche vor, zwischen Grüner Wiese und der geplanten Hauptschule in der Elisabeth-Kohn-Straße. Daran angegliedert sind rund 30 Parkplätze im Gebäude. Nördlich des Areals ist ein zusätzlicher Wohnblock vorgesehen. Autos, die ins Viertel fahren, würden durch einen Hügel optisch und akustisch verdeckt.

„Um unser enges Zeitfenster einzuhalten, müssen die Änderungen innerhalb eines Monats als exakter Beschluss vorliegen”, sagte Stadtplaner Franz Meyer. „Wenn wir diesen zeitlichen Rahmen nicht einhalten, würden die Konditionen des Grundstückskaufs mit dem Bund in Frage gestellt werden”, so Meyer. Das könnte die Stadt teuer zu stehen kommen und die Realisierung des Supermarktes um Monate oder Jahre zurückwerfen. Letztlich entschieden wird am kommenden Mittwoch in der Vollversammlung.

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