Utopie 2015
Umzug - Ankommen im vernetzten Viertel#
Hamit(31) und Ekin(27) packen Kisten aus. Sie sind gestern in den Ackermannbogen umgezogen. Zuvor haben sie in einer Wohnbaugenossenschaft in Kreuzberg gewohnt. Ekin arbeitet bei einer Fernsehgesellschaft, die ihren Sitz nach München verlegt hat. Sie wollten wieder so zentrumsnah wohnen, wie in Berlin, aber doch etwas mehr im Grünen. Über das Internetportal ackermannbogen.de sind sie auf die freie 4-Zimmer-Wohnung gestoßen und haben sich gleich über das Wohnquartier informieren können. Die Anzeige in dem ehrenamtlich betriebenen Portal ist zwar kostenlos, aber den beiden war es eine Spende von 200 € wert, ohne einen Makler diese Wohnung gefunden zu haben. Sie überlegen sich, gleich noch ein paar Anzeigen in den kostenlosen Online-Kleinanzeigenteil des Portals zu stellen. Ihr alter Esszimmerschrank passt nicht mehr in die neue Wohnung. Dafür sind sie auf der Suche nach einem günstigen Gästebett.Dass sie direkt neben dem Supermarkt über dem Cafe wohnen stört sie nicht. Im Gegenteil: Mit der Webcam, die auf der Künstlersiedlung auf dem Supermarkt angebracht ist haben, sie das Treiben auf dem Stadtplatz schon von Berlin aus beobachten können und sich gleich in den Platz verliebt. Dort konnten sie auch schon das einzige Fahrzeug beobachten, das über den verkehrsberuhigten Platz fahrt: Der blaue Bus. Mit einem Doppelklick hatten sie den Fahrplan und die Anschlüsse an das U-Bahnnetz der Stadt auf dem Bildschirm. In dem Quartiersportal standen auch tausend kleine Geschichten und Angebote im Viertel. Ihre Hoffnung auf ein lebendiges Viertel mit wichtigen Ruhezonen wurde vor Monaten beim Probewohnen im Gästeappartement einer Wohnbaugenossenschaft bestätigt. Die Räume konnten sie im Internet genauso buchen wie Extrawünsche, Leihfahrrad für die Ausflüge in die Stadt. Für die Fahrt in die Alpen fanden sie im gleichen Haus das Auto vom Carsharing-Unternehmen und für den romantischen Abend den reservierten Tisch im Speiselokal nebenan. Für Hamit war es besonders wichtig, dass das Viertel mit einem schnellen Glasfasernetz ausgestattet ist. Er arbeitet von zu Hause als freiberuflicher Grafiker, da braucht er einen schnellen Datenanschluss. Überzeugt hat ihn auch das Freifunkernetz im Stadtviertel. Dabei wird ein Teil der Kapazität der vorhandenen privaten WLAN-Anschlüsse für die Nutzer im Umfeld frei geschaltet, die sich dieser Nutzergemeinschaft anschließen.
Dazu geht Hamit gleich am nächsten Tag ins NachbarschaftBüro um sich dort anzumelden. Dort trifft er Heike(66), sie macht einmal die Woche von 16-20 Uhr Bürodienst. Hier kann er in einem digitalen Postident-Verfahren für die notwendigen Ummeldungen bei den Behörden veranlassen, für diese Dienste als Bürgerbüro bekommt der Verein einen Anteil der Bearbeitungsgebühr der Stadt. Wenn er dem Quartiersverein beitritt, verspricht ihm Heike vom Nachbarschaftsbüro noch mehr überraschende Möglichkeiten: Im Intranet bekommt er den Zugriff auf die Datenbank LeihStadion. Dort steht nicht nur der dringend benötigte Schlagbohrer für die Lampen und eine Kreissäge für Fußbodenleisten, außerdem steht in der Kompetenz-Datenbank der Zeitbank, wer ihm bei der Einrichtung helfen kann. In diesem Fall merkt Hamit sich die Adresse von Karl(56). Er ist ausgebildeter Schreiner und hilft gegen eine Zeitgutschrift Ekin und Hamit beim Einrichten. Hamit bietet spontan als Gegenleistung seine Grafikkünste und seine „heimliche“ Leidenschaft Fußballtrainer an. Ekin überlegt wegen ihrer Medien-Erfahrung bei der Quartiersredaktion einmal vorbeizuschauen.
Fortsetzung 15.5.09
Digitales Postident-Verfahren im NachbarschaftsBüro#
Hamit kann im NachbarschaftBüro sich nicht beim privaten Quartiersverein annmelden, sondern mit der Hilfe der von Heike als Zeugin sich gleich mit einem amtlichen Vorgang bei der Stadt München anmelden und sein Fahrzeug in München zulassen. Dazu loggt Heike sich bei der Stadt in eine Internetplattform ein und bestätigt den beobachten Anmeldevorgang und die Echtheit seines Ausweises. Dieses Verfahren wird als amtlicher Vorgang akzeptiert. Es wurde als Verfahren eingeführt, weil die Anzahl der Postfilialen merklich reduziert wurden und zusätzlich immer mehr Bewohner das Internet nutzen. Ein neues Amtlichen Kennzeichen benötigt er nicht, weil nach einer Änderung der Gesetzgebung er sein altes Kennzeichen B-EH 1977 mit sein Initialen und seinem Geburtsjahr behalten darf. Für die Dienste als Bürgerbüro bekommt der Verein einen Anteil der Bearbeitungsgebühr der Stadt. Seine Kfz-Versicherung ändert seinen Regionklasseneinstufung zum nächsten Januar automatisch, weil sie die Adressänderung automatisch mitgeteilt bekommt. Er spart dadurch in 100 € im Jahr, weil in München weniger Kfz-Schäden vorkommen.Da geht schon was!#
Ergänzen Sie die Geschichten um die Realität: Von wegen Utopie:- Dort läuft zu dem Thema schon etwas im Stadtteil
- „Wir suchen noch jemanden zum mitmachen“
- „Woanders geht das so“
- „Das Problem sollte bedacht werden“.
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