Schwabing-West: SPD und CSU überstimmen die Grünen
Die Ökologie der kurzen Wege
Von Ellen Draxel(©)
Im Streit um die Lage eines Supermarkts am Ackermannbogen favorisiert der Bezirksausschuss das Zentrum (von Ellen Draxel)
München, 4. Mai 2007: Die hitzige Debatte um den geplanten Supermarkt am Ackermannbogen nimmt kein Ende. Bei dem Thema reißt selbst den sonst so harmoniebestrebten Vertretern des Bezirksausschusses Schwabing-West zeitweise der Geduldsfaden. In der jüngsten Sitzung stimmten SPD und CSU fraktionsübergreifend für einen Antrag, der die nördliche Variante im Zentrum mit einer Verschiebung nach Westen zu Grunde legt.
„Die Zentrumslage ermöglicht kurze Wege und einen Einkauf auch ohne Auto”, heißt es im Papier. Zudem könnte, so die Begründung, ein Vollsortimenter mit einer Verkaufsfläche von 1500 Quadratmetern zusätzlich Kunden für kleinere Läden und die Gastronomie anlocken. Gefordert wird allerdings auch, „die Zahl der Parkplätze in einer begrünten Garage auf höchstens 50 Stellplätze zu begrenzen”. Damit Einkäufer von außerhalb nicht das gesamte Viertel zuparken, schlagen die Bürgervertreter gleichzeitig vor, das Halteverbot an der Ackermannstraße aufzuheben und eine Parkbucht für rund 100 Autos an der Kreuzung zur Schwere-Reiter-Straße anzulegen.
Argumente, denen die Grünen im BA nicht folgen konnten. „Wir halten den großen Supermarkt in der Mitte für problematisch. Schule, Krippe und Kindergarten sind direkt nebenan. Der Verkehr wird belebt, es wird viele Stellplätze geben”, argumentierte Regina Bruder. Der Änderungsantrag der Grünen favorisierte einen kleineren Supermarkt mit nur 900 Quadratmetern ohne Verschiebung nach Westen. „Oder gleich den Südstandort an der Schwere-Reiter-Straße, wenn’s schon groß sein muss”, so Bruder.
„Mit der Südvariante lösen Sie Autoverkehr auch aus dem Ackermannbogen aus. Wo die Leute sonst zu Fuß oder mit dem Rad ins Zentrum gelangen könnten – wie kann man als Grünen-Partei nur so etwas fordern in der heutigen Zeit?”, erwiderte BA-Vorsitzender Walter Klein (SPD) ungewöhnlich deutlich. „Eigentlich sind wir hier die ökologischen Denker.” Unabhängig von dem Autostrom, der für den Südstandort mit 500 bis 800 Fahrzeugen pro Tag prognostiziert werde, bestünde auch noch die Gefahr, dass wegen veränderter Einkaufsgewohnheiten Zentren wie der Hohenzollernplatz „hopsgingen”. Es sei schon „von Kannibalisierungseffekten die Rede”.
Zum Vergleich: Bei einem Hearing im Stadtrat Ende März war man von einer Verkehrsbelastung von 200 bis 350 Autos für den Supermarkt in der Mitte des Ackermannbogens ausgegangen. Es sei damit zu rechnen, so das Credo, dass fast drei Viertel der Kunden aus der näheren Umgebung kämen.
Die Möglichkeit der Verschiebung des Vollsortimenters nach Westen hatten die Stadträte nicht diskutiert, weil diese Situierung keinen Einfluss auf die Kundenströme, den Verkehr und die Lärmbelästigung hat. SPD und CSU plädieren dennoch dafür: So könne man den Schülern einen sicheren Schulweg in die Gertrud-Bäumer-Schule ermöglichen, ohne an den Autos vom Supermarkt vorbei zu müssen. Zudem „könnten auch noch Grünachsen erhalten und ergänzt werden”.
Zum Weiterlesen:
- Standortentscheidung Vollsortimenter: Hitzige Dikussionen bei den Anwohnern
- Standort-Hearing ohne konkretes Ergebnis: Investoren favorisieren die große Lösung (März 2007)
- Neuer Ärger um Supermarkt: Lokalpolitker fordern Prüfung verschiedener Standorte (Juni 2007)
- Standort-Diskussion: Planungsausschuss des Stadtrats entscheidet über Standort (Juli 2007)
- Diskussionsforum zur Standort-Diskussion