Schwarze Ampel bremst die Roten aus
CSU, FDP und Grüne entscheiden sich für die Schwere-Reiter-Straße als Standort eines Supermarktes
Von Ellen Draxel und Renate Winkler-Schlang (©)
Schwabing, 6. Juli 07: Jahrelang wurde heiß diskutiert, in Hearings, Sitzungen und Bürgerversammlungen. Jetzt ist die Entscheidung gefallen: Der Vollsortimenter am Ackermannbogen kommt an die Schwere-Reiter-Straße. CSU, Grüne und FDP stimmten am Mittwoch im Planungsausschuss des Stadtrats für einen 1500 Quadratmeter großen Supermarkt mit 50 Stellplätzen am südlichen Rand des Neubaugebietes. Das Areal liegt im vierten Bauabschnitt, ein Baubeginn ist derzeit noch nicht abzusehen.
CSU und SPD im Bezirksausschuss 4 (Schwabing-West), das Planungsreferat und die SPD-Fraktion im Stadtrat hatten sich zuvor ausdrücklich gegen diesen Standort ausgesprochen. Ihr Favorit hätte im Quartierszentrum gelegen. Aus Rücksicht auf die Nachbarschaft hatte man im Planungsreferat sogar die Verkaufsfläche für diese Variante auf 1000 Quadratmeter reduziert. Damit wären nur noch 33 Parkplätze nötig gewesen.
Während der Sitzung wurden die Differenzen zwischen den einzelnen Positionen noch einmal deutlich. Käme der Supermarkt in die Mitte des Viertels, dann könnten „auch ältere Menschen und Rollstuhlfahrer am sozialen Leben teilhaben und selbständig einkaufen”, argumentierte Walter Klein (SPD), Vorsitzender im BA 4. Es gäbe wesentlich weniger Verkehr, weil der Vollsortimenter von allen Bewohnern des Ackermannbogens zu Fuß erreicht werden könne. Gleichzeitig profitierten die kleineren Läden um den Supermarkt herum von der Laufkundschaft. Beim südlichen Standort dagegen würden alle Käufer nur in die Tiefgarage rein- und wieder herausfahren. „Eine Vernetzung mit anderen Geschäften wäre nicht möglich.” Außerdem, so Klein, sei die Mehrheit der Bürger am Ackermannbogen für die zentrale Mitte. Man solle doch die Kompetenz des Stadtteilgremiums würdigen.
Jens Mühlhaus, verkehrspolitischer Sprecher der Rathaus-Grünen und selbst Bewohner am Ackermannbogen, plädierte dagegen für die Süd-Variante. Aus optischen Erwägungen, weil der Supermarkt eine „unattraktive Rückseite” habe, vor allem aber aus städtebaulicher Sicht. „Die Infrastruktur sollte dort platziert werden, wo der Verkehr der Anlieger fließt – in Richtung Schwabing”, meinte Mühlhaus. Und da es an der Schwere-Reiter-Straße ohnehin laut sei, käme „Lärm zu Lärm”. Laut Marketinggutachten müssten für einen Supermarkt dieser Größe zahlreiche Kunden von außerhalb des Neubaugebietes anfahren, damit sich der Umsatz rechne.
Mühlhaus spreche ihr aus der Seele, unterstrich Elisabeth Schmucker (CSU). Man dürfe den Platz im Zentrum „nicht verschandeln”. Dass nicht jeder den Supermarkt zu Fuß erreichen könne, sei kein Argument: „Es gibt ja die Möglichkeit, sich die Waren liefern zu lassen.”
Gerade die stadtplanerische Komponente war aber der Hauptgrund für die SPD und das Planungsreferat, den Vollsortimenter im Zentrum zu befürworten. „Ohne Supermarkt am zentralen Platz gibt man die Urbanität auf, die für den Einzelhandel nun mal Voraussetzung ist”, erklärte Planungssprecherin Claudia Tausend (SPD). Im Übrigen wäre langfristig auch mit einem verkehrstechnischen Problem an der Schwere-Reiter-Straße zu rechnen, nur gebe es dort bisher noch nicht so viele Anlieger, die sich beschweren könnten. Die Grünen hatten als Chance für die kleinen Läden den Vorschlag gemacht, die Zufahrtsstraße zum Supermarkt als verkehrsberuhigte Marktstraße auszubauen. „Diese Marktstraße ist ein idealistischer Wunschtraum”, kommentierte Constanze Lindner-Schädlich (SPD) die Idee des grünen Fraktionspartners.
„Idyllen gibt es nun mal nicht zu kaufen”, meinte auch der Leiter der Stadtplanung im Planungsreferat, Franz Meyer. Entweder man baue fußgänger- oder autoorientiert, beides zusammen gehe nicht. Dass die Grünen sich für einen autofreundlichen Standort erwärmten, verwunderte insbesondere Oberbürgermeister Christian Ude. Er selbst sehe bei jeder Variante die Nachteile, entscheide sich aber mit der SPD für das „hellere Grau”: den zentral gelegenen Supermarkt. „Insgesamt”, so Udes Resümee, „ist der Ackermannbogen ein einziger Appell dafür, Viertel von Anfang an komplett zu planen und nicht zu warten, bis erste Bewohner mitreden”. Die Bewohner des Ackermannbogens hätten im Übrigen eine „bemerkenswert kultivierte Anspruchshaltung”.
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