Ackermannbogen: Stadtrats-Hearing ohne konkretes Ergebnis
Investoren favorisieren die große Lösung
Supermarkt soll wenigstens 1500 Quadratmeter Ladenfläche haben – Sorgen macht die Verkehrsbelastung
Von Ellen Draxel(©)
München, 30. März 2007: Es war ein ungewöhnliches Bild im Stadtrat. Mehr als 20 externe Fachleute hatten im Großen Sitzungssaal des Rathauses neben den Politikern Platz genommen – Investoren, Gutachter, Marketingexperten. Der Planungsausschuss hatte ein Hearing mit einem Investoren-Workshop verknüpft – dabei ging es vor allem um den seit Jahren heiß diskutierten Supermarkt, der das Neubaugebiet am Ackermannbogen versorgen soll. „Ein Gebiet, das rund 2200 Wohneinheiten mit dichter Bebauung haben wird”, erläuterte Franz Meyer, Leiter der Stadtplanung im Planungsreferat. Ziel des Hearings war, Größe und Standort des zu bauenden Supermarkts auszuloten – zur Debatte stehen Flächen im Quartierszentrum oder am südlichen Rand an der Schwere-Reiter-Straße. Näher gekommen sind sich die Vertreter der verschiedenen Positionen dabei jedoch nicht.
Die wenigen Investoren, die ihr Rederecht nutzten, plädierten für einen Vollsortimenter – also einen Supermarkt mit wenigstens 1500 Quadratmetern Verkaufsfläche. „Der Standort Schwere-Reiter-Straße ist für uns günstiger, aber wir könnten auch mit der Mitte leben”, erklärte etwa Michael Dümmling von Edeka. „Was wir brauchen, sind mindestens hundert Stellplätze.” Auch der Expansionsleiter bei Kaiser’s Tengelmann, Thomas Rupp, befürwortete die Südlage und unterstützte die Forderung nach ausreichend Parkmöglichkeiten.
Zuvor hatte Projektchef Stefan Gortan von Cima Stadtmarketing anhand einer Studie deutlich gemacht, dass für einen Vollsortimenter ein Naheinzugsgebiet von 5000 Kunden plus weiteren 10 000 Personen aus den umliegenden Siedlungen nötig sei. Die Schwere-Reiter-Straße sei deshalb für diese Größe „die betriebswirtschaftlich bessere Variante, weil nicht alle Käufer aus dem Viertel stammen” könnten.
Die Rathaus-Grünen zeigten sich mit einer Stellplatz-Ausweitung nicht einverstanden. „Das Ziel des Wohngebietes war, den Verkehr möglichst herauszuhalten”, sagte Stadtrat Boris Schwartz. Er regte eine Bürgerbefragung an, wurde aber umgehend von Oberbürgermeister Christian Ude korrigiert: „Das Problem ist doch, dass es die Bewohnerschaft, um die es geht, noch gar nicht gibt, weil ihre Wohnungen erst noch gebaut werden müssen.” Der Supermarkt soll im vierten Bauabschnitt entstehen, die davon ausgehende Verkehrsbelastung aber ist den Bürgern, die schon im Viertel wohnen, ein Dorn im Auge. „Das Schallgutachten besagt, dass beim Standort eines Vollsortimenters im Zentrum pro Tag bis zu 350 Autos mehr in die Elisabeth-Kohn-Straße einfahren als bei einem kleineren Supermarkt”, gab Erich Jennewein vom Verein Forum Schwabing am Olympiapark zu bedenken. „Wir haben Konsens bei einem Markt in der Mitte, aber nur für die Größe des Viertels”, betonte er. „850 Quadratmeter Verkaufsfläche sind ausreichend, wir brauchen nicht das Dreifache an Waren, das für den Ort notwendig wäre.”
Ganz so eng sieht das der Vorsitzende des Bezirksausschusses Schwabing-West, Walter Klein (SPD), nicht. Das Stadtteilgremium habe Kontakt aufgenommen zu Adeg in Österreich. „Dort sind die Regale weiter auseinander, behindertengerechter und auch für Kinderwagen befahrbar. Das ist sozial verträglicher.” Die Ideallösung wäre eine größere Fläche in der Quartiersmitte mit viel Platz, aber einem reduzierten Angebot – „damit sich auch andere Geschäfte und Dienstleistungen ansiedeln können”, sagte Klein. Außerdem bekämen „viele kleine Läden in Schwabing Probleme, wenn der Supermarkt mit dem Auto gut erreichbar” wäre, weil sie dann ihr eigenes Sortiment nicht mehr verkaufen würden. Sollte sich der Markt in der Mitte positionieren, könnten ihn alle Bewohner zu Fuß erreichen, was gerade auch älteren Senioren zugute käme.
Zum Weiterlesen:
- Standortentscheidung Vollsortimenter: Hitzige Dikussionen bei den Anwohnern
- Streit um Standort: BA4 favorisiert Supermarkt im Zentrum (Mai 2007)
- Neuer Ärger um Supermarkt: Lokalpolitker fordern Prüfung verschiedener Standorte (Juni 2007)
- Standort-Diskussion: Planungsausschuss des Stadtrats entscheidet über Standort (Juli 2007)
- Diskussionsforum zur Standort-Diskussion