Kinder- und Jugendschutz – eine unendliche Geschichte?
Und ein paar quer gedachte Gedanken dazu.
Kinder und Jugendliche brauchen Schutz – keine Frage: Aber es gibt auch Irrwege.
Das Mädchen und Jungen vor „bösen Onkels“ (und Tanten?) geschützt werden müssen bedarf keines Zweifels. Es gab es schon immer, und es wird es wohl auch weiterhin geben. Ob mehr oder weniger, sei dahingestellt. Früher ist man sicher etwas lascher damit umgegangen, heute ist die Aufklärung besser. Da blieb manches Leid öfter im Verborgenen, manche mögen daran zerbrochen sein, das ist sehr bedauerlich. Und leider sieht man es den Pädophilien meist nicht an, sie kommen aus allen Schichten und manche sind auch noch „besonders fromm“.
Aber ist dann ein „Rundumschlag“ gegen alle Erwachsenen gerechtfertigt? Wohl kaum!
Meine Erfahrungen die ich in den letzten Jahren mit diesem Thema gemacht habe, sind nicht besonders erfreulich: Dabei gehöre ich keineswegs „zu denen“, will lediglich lebensechte Fotos machen, weil mich Kinder nun mal inspirieren, sowie Menschen allgemein, wenn sie irgendwie interessant sind, sowieso. Ich gebe zu, ich bin neugierig, aber ich möchte nicht irgendjemanden dabei bedrängen.
Allein aber die Tatsache, Kinder zu beobachten (ohne das geht’s nun mal nicht), erregt den Verdacht der Erwachsenen, oder ganz besonders der Kinderbetreuer (Kindergärten). Da wird man ganz schnell in die „pädophilie Ecke“ gestellt. Dieses wird dann auch unverhohlen zum Ausdruck gebracht, mal mehr mal weniger höflich, oder manchmal ganz unverschämt. Darunter haben nun alle Fotografen zu leiden. Aber wen interessieren „angezogene spielende“ Kinder im Internet oder sonst wo - ganz bestimmt keine Pädophilien.
Wenn ich dann zu erklären versuche, was ich bezwecke (auch versichere ohne Internet), finde ich kaum Gehör bzw. bis zum völligen Unverständnis, ja geradezu feindlichen Haltungen ist man ausgesetzt. Selbst wenn ich mich ausweisen will, mit hinterlassen der Adresse, glaubt man mir nicht. Das ist in meinen Augen schon ziemliche Borniertheit.
Aber es geht noch weiter: Man darf Kinder kaum noch ansprechen auch wenn die Eltern dabei sind, auch wenn sie einem anlachen(die Kinder) trauen sie sich nicht zu sprechen. Sie sind geradezu schon so dressiert, alle Erwachsenen sind „böse Onkels“. Wohin soll so was führen? Gegen Jeden erstmal absolutes Misstrauen haben, ohne jedes differenzieren zu lernen. Soll das die optimale Kindererziehung sein ?
Nur bei Ausländern mit ihren Kindern ist das noch etwas anders, die passen zwar auch auf, und das ist gut so, aber die freuen sich noch, wenn man mit ihren Jüngsten Kontakt aufnimmt, oder auch nur zurück lächelt.
Warum fallen wir Deutschen in solche Extreme ? Zumindest aber in Großstädten.
Kürzlich war ich auf dem Lande, im tiefsten Bayern. Da begegnen einem wildfremde Menschen noch offenherzig mit einem „Grüß Gott“, und ebenso die Kinder sind kontaktfreudig und plaudern herzerfrischend drauflos. Also es geht durchaus noch anders. Trotzdem passen die Eltern auf.
Soviel mal zum Thema „Beschützen“, was immer wieder mal aktuell angesprochen wird.
Aber was ich schon immer mal von Erwachsenen wissen wollte in Bezug zu ihren Kindern: Warum diese umgangssprachlichen Verirrungen im Verhältnis „Kinder“? Sie lassen mich geistig den Kopf schütteln!? Die Zeiten ändern sich – aber immer zum Besten, das wage ich zu bezweifeln.-
Warum also werden die Kinder eigentlich immer öfter „Kids“oder „Kidz“ genannt ? In der letzten Ausgabe vom „Ackermannboten“ nur einmal ! Ist das ein Versehen ? Wollen die Erwachsenen damit zum Ausdruck bringen, dass sie ihren Nachwuchs mit „feinem Kalbs-, Ziegen-, oder Schafsleder“ vergleichen ? So heißt es laut Duden. Oder ist es eine (unfreiwillige) Anspielung auf die „Pisa-Studie“?
Nur weil es mal einen gleichnamigen amerikanischen Film gab, sind alle Kinder jetzt Kids? Seltsame Verirrungen.
Wenn Kinder alles „geil“ finden, auch wenn es nur schön ist, ist das noch zu verstehen. Kinder haben ihre eigene Sprache (auch wenn’s nicht die Schönste ist), wenn aber Erwachsene alles „toll“ finden was ihre Kinder (und sie selber) so treiben, bin ich am Ende. Ich rate denen mal, ein „Tollhaus“ zu besuchen, damit sie wissen, was sie sagen.
Ein bisschen boshaft mag das klingen, leider aber wahr. Was würde wohl der alte Goethe zu unseren heutigen Kindern und ihren Erwachsenen und ihrer Sprache sagen ?
Theo Richter