2011 Rettet Haus 49 #

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2007 Gastspiel der Domagk Ateliers im Ackermannbogen#


Begeisterter Empfang der Künstler aus den Domagk-Ateliers bei ihrem Gastspiel-Beginn in der Spiel- und Kulturpassage Schwabing am Ackermannbogen am Samstag/Sonntag, 29./30.September 2007

Ein 20 Meter breite rund 2 Geschoß hoher Hausdurchgang der Wohnbaugenossenschaft wagnis eG dient im Wohnalltag dem Kinderspiel, als Nachbarschaftstreff oder dem Wochenmarkt. Durch öffentliche Förderung konnte dieser Durchgang mit Bühnentechnik ausgerüstet werden. Seit 1.Juli 2007 ist diese neue Spiel- und Kulturpassage auch Veranstaltungsort für Theater, Tanz, Pantomime, Chorgesang oder multimediale Performance. Die Verbindung von Freiraum und gebautem Raum, die Grenzüberschreitung von öffentlich und privat soll der kulturellen Durchdringung des Wohnalltags dienen und zu einem „crossing over“ der Kunstsparten führen.

Bilder:#

Etwa 25 Künstler aus den DomagkAteliers wurden kürzlich Mitglied in der Genossenschaft wagnis eG. Dies war der Anlass, die Künstler zu einem Gastspiel einzuladen.
Gleichzeitig stellt die Wohnbaugesellschaft GBW AG in einer kleinen benachbarten Passage kurzzeitig einen Ausstellungsraum zur Verfügung. Da hier die Kunstwerke durch ein großes Schaufenster betrachtet werden können, wird das ganze nun „Schauraum-Passage“ genannt. So können an diesen Tagen die Künstler die beiden Kulturpassagen als neue Orte für Spiel, Kunst und Experiment einem begeisterten Schwabinger Publikum bekannt machen.

„Netzhaut“ verbindet die Vernissagen in den Passagen #

Bei der Start-Vernissage 1 in der „Schauraum-Passage“ stößt man als erstes auf das „Objekt 2007“ des polnischen Installations-Künstlers Maciej Czapski, auf einen großen Würfel aus Holz-MDF (120x120m), der in einer abgesenkten schwarzen Oberfläche quasi modellhaft eine rote spiegelnde Mini-Installation beherbergt. Ein symbolischer Gegensatz von großem, allumfassendem Raum zum kleinen irdischen Dasein, worin sich wiederum das Große widerspiegeln kann und ein gespiegelter Raum sichtbar wird, der über den materiellen hinausweist.

Beim Betreten des Schauraums aus Beton fallen die zwei großen Stufen auf, die in „höhere Sphären“ der Kunstwerke führen können. Auf der ersten Stufe erscheint das goldgelb schimmernde Kunstharz-Objekt „Gul“ (Blume) der afghanischen Plastikerin Mitra Wakil, eine blumenartige dreidimensionale Kalligrafie in arabischen Schriftzeichen.

An den transparent getünchten Betonwände hängen großflächige, ausdrucksstarke Werke der Münchner Künstlerin Gotlind Timmermanns „Der Lilyen hier – des Gartens Zier“, eine Ölbild – Serie aus Studien zu Stuckornamenten der St.Anna-Kirche in Schondorf/Ammersee. Die plastische Wandlungsfähigkeit dieser Ornamente hat die Künstlerin zu dynamischen, pflanzenhaften bis figürlichen Bilderfolgen angeregt, die diesem Dreistufenraum einen besonderen Ausdruck verleihen.

An diesem sonnigen Herbsttag der Vernissage 1 erscheinen plötzlich drei „Wesen aus Wald und Flur“ um die Bildbetrachter zur Spiel- und Kulturpassage und damit Vernissage 2 abzuholen. Ein langer baumartiger grüner Mann mit einem Blätterkranz lockt mit seinen Ast-Armen. Eine kleines weißes Elfenkind eilt einer überdimensionalen Schmetterlingsdame mit transparenten Flügeln voraus. Zu den mitreißenden Klängen zweier Instrumentalisten aus der Band „Bazar Dilo“ bewegen sich die drei Naturwesen in und vor der Schauraum-Passage im Tanz vor einem begeisterten Publikum. Tanzend setzen sie sich in Richtung Spiel- und Kulturpassage in Bewegung, unmittelbar gefolgt von einem Rudel hingerissener Kinder.

Die Zuschauer werden sogleich in der Passage empfangen von Beamer-Projektionen des audiovisuellen Künstlers Artur Zab. Im Schaufenster der NachbarschaftsBörse erscheinen „1999 Fotos von DomagkAteliers“ mit freudigen und wehmütigen Blicken in das Leben dieses einmaligen Künstler-Biotops. Von da aus führt der Weg zu Scherenschnitt – DokuTrailer – WildwuXX-Gesang

Im großen Raum der NachbarschaftsBörse können die sensiblen und exakten Scherenschnitte der chinesischen Künstlerin Hauchun Kwong bewundert werden. Ein DokuTrailer „Kunst findet Stadt“ von Lilith Vincon am Ende der Vernissage 2 vertieft das Verständnis dieser einmaligen Münchner Künstlerkolonie durch Rückblenden in die Zeit des Kasernenbaus und der stringenten Kunstauffassung von Nazioffizieren im Vergleich mit der Freiheit heutiger Künstler, ihres Wirkens und der von Kunst und Natur eroberten Kasernen-Idylle. Zum Abschluß singt der Songwriter Peter Schreyer zu einer rhythmisch mitreißenden Musik Lieder mit anspruchsvollen Texten. Die Aussagen im Programm versprechen nicht zuviel, wenn es darin heißt: „Die Lieder gehen direkt aus dem Bauch in die Ohren. Mal träumerisch, ironisch, dramatisch oder verspielt.“ So endet der Tag der Vernissagen schließlich mit einem brausenden Applaus eines begeisterten Publikums.

Ballettartige Performance auf hohem Niveau #

Am Sonntagabend stehen zwei perfekt choreografierte Performance-Darbietungen im Mittelpunkt. Die Rahmenhandlung „Nathan und die Hochzeitsgesellschaft“ bringt gesprochene, musikalische und tänzerische Interpretationen von Thomas Bernhard, Bert Brecht, Reiner Maria Rilke, Friedrich Nietzsche und Friedrich Hölderlin. Nathan, der „WildwuXX“-Sänger mit seiner Guitarre, wandelt die Gedichte in Lieder und die beiden „Netzhaut“-Tänzerinnen wandeln anspruchvollen Text in ausdrucksstarken Tanz.

Zum Schluss wird die Freilichtperformance „Golden Wave“ unter den im Herbstgold schimmernden Ahornbäumen zu einem besonderen Erlebnis dieses Gastspiels aus den DomagkAteliers. Im Zusammenspiel mit der Natur begrüßen die drei fackelschwingenden Tänzerinnen in einer choreografisch und rhythmisch hervorragend dargebotenen Feuerschau den Farbenrausch des Herbstes.

In beiden tänzerischen Darbietungen offenbart sich ein „Crossing-over“ der Kunstsparten: Töne werden sichtbar, Farben hörbar, Worte gemalt, Geschichten getanzt, Klänge bilden Rume, Skulpturen spielen Theater und multimediale Choreografien dichten.

Zum Weiterlesen#

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