Februar, 2005: Vom Stadtrat beschlossen: Die Gebäude der Stettenkaserne werden abgerissen, obwohl sie das Viertel kulturell bereichern könnten
Seit einem Jahr befassen sich unsere Fach-Arbeitskreise AK Kultur und AK Planung mit der Entwicklung unseres zukunftsweisenden Stadtteils am Ackermannbogen. Mit Engagement führen sie Gespräche mit Bezirksausschuß, Stadträten und Referaten, um falsche städtebauliche Weichenstellungen zu vermeiden. Dabei lassen sich leider Misserfolge nicht immer vermeiden. Etwa im Fall der historischen Gebäude im Viertel: Wir konnten sie trotz unwiderlegbarer Argumente nicht retten, vermutlich weil die von Papierfluten überschwemmten Stadträte unsere Schreiben gar nicht rechtzeitig bekommen, lesen und bedenken konnten.
Welchen Bestandsbauten müssen wir nun nachtrauern?
Der ehemaligen Instandsetzungshalle der Stettenkaserne Sie wurde in einer städtischen Bestandsuntersuchung vor zehn Jahren als erhaltenswert eingestuft, und zwar „wegen ihres hohen gestalterischen Wertes“. Da noch nicht abgerissen, wäre dieser Trakt noch heute besonders geeignet als Jugendfreizeitstätte, Kindergarten oder Kultureinrichtung.
Der ehemaligen Militärkirche Sie zeigt schon beim ersten Augenschein unzweifelhaft Qualitäten. Die Gemeinde St. Sebastian und das erzbischöfliche Ordinariat meldeten auch ihr Interesse zur Nutzung als offene Gemeinderäume für alle neu zugezogenen Bürger an. Auch dieses Gebäude ist noch nicht abgerissen. Vielleicht könnte wenigstens der Turm als historisches Zeichen erhalten werden?
Dem Turbinenhaus des Heizkraftwerks Ihm wurden in der genannten Bestandsuntersuchung „Qualitäten von hohem Gestaltwert“ zuerkannt. Leider wurde es im April als erstes abgerissen, obwohl die vom FORUM vorbereitete Umnutzung als „Kulturkraftwerk“ bereits planerisch und finanztechnisch so weit entwickelt war, dass es der Stadt keinerlei finanzielle Belastung gebracht hätte – eine nachweisliche Fehlentscheidung und verpasste Chance für ein längst fälliges Schwabinger Kulturzentrum mit internationaler Vernetzung!
Für den städtebaulich anspruchsvollsten letzten Bauabschnitt des Ackermannbogens wird sich das „FORUM Schwabing am Olympiapark“ gemeinsam mit dem Bezirksausschuss 4 besonders für eine entsprechende Kultureinrichtung einsetzen und in Workshops ein Konzept ausarbeiten.
Seit Jahren war es Ziel unserer Facharbeitskreise, diese drei genannten, besonderen Gebäude zu erhalten, um den historischen Ursprung des Orts nicht vergessen zu machen. Unverständlich, mit welcher Hast der Stadtrat den Abrissbeschluss trotzdem noch zum Jahresende durchpeitschte. Das Bürgerengagement blieb dabei leider auf der Strecke.
Kontakt:
Manfred Drum