Die erste Begeisterung ist verflogen: Kommunalreferat legt sein Veto ein
Beachvolleyballfeld droht wegen fehlender Baugenehmigung und der Nähe zu einer Schutthalde zu scheitern
Es war und ist der Traum der Jugendlichen: ein Beachvolleyballplatz am Ackermannbogen als eigener Treffpunkt, um sportlich aktiv sein zu können. Und um endlich einmal aus dem Wohnblock herauszukommen. Mitten im vierten Bauabschnitt am Ackermannbogen, in der Nähe der Elisabeth-Kohn-Straße, könnte er errichtet werden – temporär, nur für diesen Sommer, bis auf dem Areal die neuen Häuser stehen. Die Idee war im vergangenen Herbst geboren worden, und alle fanden sie gut: die Mädchen und Jungen, die Jugendorganisationen, die Streetworker, die Nachbarschaftsbörse und die beiden Jugendbeauftragten des örtlichen Bezirksausschusses. Auch beim Kommunalreferat war man von dem Plan angetan. Doch plötzlich steht alles auf der Kippe.
Was den Initiatoren nicht klar war: Auch für eine zeitlich begrenzte Zwischennutzung muss ein Bauantrag gestellt werden. Erst wenn dieser genehmigt ist, kann die Ausführung beginnen. Und es gibt noch eine zweite Hürde: In der Nähe des favorisierten Geländes wird regelmäßig Schutt abgeladen, weshalb das ganze Areal jetzt weiträumig abgesperrt werden soll. „Die Verletzungsgefahr ist zu hoch”, sagt die Sprecherin des Kommunalreferates, Silke Pesik. Deshalb aber das ganze Projekt sterben zu lassen, leuchtete weder Reiner Schmidt von der Nachbarschaftsbörse ein, der die Organisation in die Hand genommen hat, noch den Mitgliedern des Bezirksausschusses Schwabing-West, auf deren Tagesordnung das Problem postwendend landete.
Es sei „doch lebensfremd”, entrüstete sich die SPD-Fraktionsvorsitzende Brigitte Gmelin, die Sache wegen eines bisschen Gerölls absagen zu wollen. „Die Jugendlichen werden sich schon wehren, wenn man ihnen da Schutt ablädt.” Regina Bruder, selbst Bewohnerin des Ackermannbogens, ergänzte, es gebe riesige Kiesflächen dort, wo man Sand für einen Beachvolleyballplatz hinstreuen könnte. „Die vom Kommunalreferat haben sich bisher auch nie darum gekümmert, wo der Dreck abgeladen wird”, ärgerte sich die Grünen-Chefin. „Und jetzt müssen plötzlich die Jugendlichen dafür herhalten.” Die Debatte sei umso unverständlicher, als „das Spielfeld von Anfang an eingezäunt und mit geregeltem Zugang per Schlüssel geplant war”, erklärte Schmidt der SZ. Den Platz gegen die Schutthalde abzugrenzen, wäre also kein Problem.
Mittlerweile sieht das Kommunalreferat das wohl genauso, zumal es keine wirklich alternativen Standorte gebe. Bei dem Ortstermin eine Woche nach der BA-Sitzung sicherte der Vertreter des Kommunalreferates Schmidt daher seine Unterstützung für einen Volleyballplatz an der geplanten Stelle zu, sofern der Bauantrag genehmigt wird und die Nachbarschaftsbörse den Aufwand und die Kosten stemmen kann. Einige Tonnen Sand, Zäune, ein unverrottbares Vlies unter dem Sand – das alles will bezahlt werden, plus Gebühren für die Baugenehmigung und die Miete. Mit 1500 bis 2000 Euro rechnet Schmidt, optimistisch kalkuliert. Er hofft auf Sponsoren, deren Werbeplakate man an der Einzäunung anbringen könnte, und auf einen Zuschuss vom örtlichen Stadtteilgremium. „Den provisorischen Beachvolleyballplatz durchzusetzen macht jetzt eigentlich nur dann noch Sinn, wenn er als Probelauf für eine langfristige Anlage angesehen wird”, findet Schmidt. Bei positiven Erfahrungen könne man das Beachvolleyballfeld möglicherweise als festen Bestandteil für das Viertel nach dem Ende der Bauarbeiten für den vierten Bauabschnitt wiederaufleben lassen. Sofern sich die Jugendlichen an die vorgegebenen Nutzungszeiten halten und die Nachbarn den Lärmpegel akzeptieren.
Geht alles glatt, kann die Anlage Ende Juli eingeweiht werden – für drei Monate, denn Ende September ist definitiv Schluss.
© bei Ellen Draxel
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Reiner Schmidt
