ExWoSt-Sondergutachten Barrierefreie Stadtquartiere#


Im Rahmen vom experimentellen Wohnungs- und Städtebauprojekts 2009 (ExWoSt) gibt es ein Sondergutachten für Barrierefreie Stadtquartiere. Das NachbarschaftsBüro ist mit eigenen Beobachtungen gestartet, und hat Meinungen aus dem Quartier gesammelt und zusammengefasst.

Identifizierte Barrieren bzw. Lösungen im Quartier Ackermannbogen #

Die Auflistung hat nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und ist ein Versuch die Situation objektiv darzustellen. Diese können hier ergänzt werden:

Bauliche Ausführung von Gebäuden und Anlagen #

positiv
  • fast alle Gebäude im Quartier sind barrierefrei zugänglich
  • NachbarschaftsTreffs und Café Rigoletto als öffentliche Einrichtungen im Quartier barrierefrei

negativ

  • die Gebäude im Quartier nicht unbedingt nach DIN-Norm in Gänze behindertengerecht
  • Müllhäuser und Abstellanlagen sicher nicht immer barrierefrei
  • Rampe südl. Rigoletto gefährlich, da ohne Umlenkung am unteren Ende
  • Unverständliche Belagsgestaltung der Fahr- und Standspur im verkehrsberuhigten Quartiersplatz-Bereich
  • Gestaltung große Wiese ohne Berücksichtung der Nutzungsauswirkungen (z.B. Ballspiel vs. Lärmbelästigung, keine Räume für unterschiedl. Altersgruppen)

Räumliche / Städtebauliche Strukturen und Nutzungen#

positiv
  • Halböffentliche Räume als lebendige Nachbarschaftstreffs bei Bewohnergärten, Gemeinschafts-Dachterrassen und Laubengang-Plattformen von wagnis eG
negativ
  • unklare Nutzungsregeln v.a. im halböffentlichen Raum (privat vs. öffentlich)
  • Nutzbarkeit öffentlicher Räume (NachbarschaftsTreffs) von außen nicht sofort ersichtlich
  • fehlende Rückzugsräume für Jugendliche
  • Sozialer Wohnungsbau fast nur als Randbebauung, daher sind die BewohnerInnen aufgrund der baulichen Struktur eher „am Rand“
  • Problem der Integration öffentlicher Räume in private Wohngebäude (Lärmkonflikte)

Wohnumfeld und Natur#

positiv
  • Alter Baumbestand und Biotop als Beitrag zu naturnahem Wohnen
negativ
  • naturzerstörende Landschaftsplanung durch geradlinige, „hindernisfreie“ Wegeführung teils mit Betoneinfassungen – Freiraum dem Raser
  • Ausrottung von Unterholz vertreibt Vogelbestand

Ausstattung und Gestaltung#

positiv
  • multifunktionale, nutzungsneutrale Ausstattung der Gemeinschaftsräume
  • verschiedene Raumgrößen (von 20 qm bis 70 qm)
negativ
  • fehlende Umkleideräume bei den oft für sportliche Angebote genutzten Gemeinschaftsräumen
  • fehlende Schalldämmung lässt Singen, Lachen oder Musikübungen als Störungen empfinden

Zeitliche Festlegungen#

positiv
  • Gruppenräume täglich von 7-24 h offen und nutzbar, auch am Wochenende und an Feiertagen
negativ

Soziale, zwischenmenschliche Beziehungen#

positiv
  • An den Wochenenden geliefertes, kostenfreies Obst und Gemüse öffnet bereits lockere Kontakte zu sozial schwächeren Nachbarn und Migranten.
  • Auch im 14tägigen Nähkreis fallen soziale Barrieren.
negativ
  • räumliche und persönliche Nähe der NachbarschaftsTreffs mit Wohnprojekt der wagnis-Genossenschaft, daraus in den ersten Jahren Scheu anderer NachbarInnen, diese Räume auch zu nutzen;
  • NachbarInnnen mit Migrationshintergrund und/oder sozial schwächer Gestellte werden kaum erreicht (vorherrschende Mittelschicht-Atmosphäre
  • Auch deren Kinder werden häufig von wenigen Nachbarn als Störfaktoren empfunden, wenn sie als Nachbarskinder im eigenen Umfeld spielen und dann sogar verscheucht werden.
Mögliche Lösungsansätze
  • Diese Kinder sind zu erreichen durch gezielte kommunikative Aktionen, die auch deren Eltern auf Dauer anziehen können, wie z.B. wöchentliche Kinder-Kaffee-Nachmittage, von Kindern organisiert und betrieben - z.B. beginnend bei den Bauwägen, später in der Nachbarschaftsbörse oder im Café Rigoletto.

Störungen und (subjektive) Sicherheit#

positiv
  • großes Gefühl an Sicherheit bei vielen BewohnerInnen durch vielfältige nachbarschaftliche Beziehungen, viele kennen sich, Kinder können allein draußen spielen
negativ
  • subjektiv als störend empfundene Lärmbelastung durch spielende Kinder im Straßenraum und auf öffentlichen Grünanlagen (sehr hoher Kinderanteil im Quartier)

Information und Kommunikation#

positiv
  • Handzettel für Einzelveranstaltugen zum Mitnehmen
  • Quartierszeitung Ackermannbote 2 x jährlich kostenlos in jeden Briefkasten
  • Jahresprogramm mit regelmäßigen Veranstaltungen 2 x jährlich kostenlos in jeden Briefkasten
  • Homepages und Quartiersportal mit monatlichem Newsletter
  • Stadtteil-/Nachbarschaftsbüro als Anlauf- und Informationsstelle für alle NachbarInnen und alle möglichen Anliegen (Montag- Freitag 9.30-13.30 h)
negativ
  • Sprachduktus bei Informationen v.a. auf Akademiker- /Mittelschichtsniveau, Fremdwörter oder unerklärte Fachbegriffe in Texten
  • benutzte Sprache bisher fast ausschließlich Deutsch
Mögliche Lösungsansätze
  • Gegen Lesemüdigkeit lieber mehr Bilder mit Unterschriften als lange Textseiten
  • Initiieren von Hausfesten oder Bauwagen-Festen
  • Besuch von Lehrkräften der umliegenden Schulen, um Quartiersinitiativen vorzustellen
  • Elternabenden mit Tagesordnungspunkt „Miterzieher in der engeren und weiteren Nachbarschaft“
  • Gründung eines Arbeitskreises zu diesem Thema
  • Stammtisch mit Nachbarn aus Sozialwohnungen (mit Sonderpreis im Rigoletto)

Finanzielle Ressourcen#

positiv
  • Kostenlose Nutzung der Gemeinschaftsräume für bürgerschaftlich Engagierte, für nachbarschafts- und netzwerkförderne Gruppen (z.B. gemeinsames Chorsingen, Krabbelgruppen, TheaterKidz, etc.)
  • Zeitbank + LETS als ergänzende Tausch-Ressourcen
negativ
  • Angebote im Bildungs- und Gesundheitsbereich größtenteils kostenpflichtig

Zeitliche Festlegungen#

positiv
  • Gruppenräume täglich von 7-24 h offen und nutzbar, auch am Wochenende und an Feiertagen
negativ
  • keine Nachmittags-/Abendöffnung des NachbarschaftsBüros

Rechtsvorschriften / Gesetze #

positiv
  • Ruhezeitenvorschrift für Spielwiese (?)
negativ
  • Ruhezeitenvorschrift für Spielwiese in einem extrem kinderreichen Quartier
  • Hygienevorschriften beim Flohmarkt-Kuchenverkauf
  • Bürokratie blockt spontane Aktionen im öffentlichen Raum ab
  • übertriebene Brandschutz-Interpretation verhindert praktische Gemütlichkeit und Kommunikation vor den Wohnungen (Laubengänge)
  • Kletterpflanzen als „Brandlast“ bezeichnen und verhindern
Mögliche Lösungsansätze
  • Innovative Projekte (z.B. ExWoSt) als Signale für Gesetzesoptimierungen oder „Befreiungs-§§“ (z.B. Stellplatzverordnung bei autofreien oder autoarmen Wohnprojekten)

Frühzeitige intensive Partizipation in der Quartiersentwicklung#

positiv
???
negativ
  • Das im Quartier entstandene hohe Bürgerengagament und die gesammelte Kompetenz der im Quartiersverein aktiven Projektgruppen finden bei zuständigen Behördervertetern (z.B. Planungsreferat oder Bezirksausschuss) bisweilen nicht die gebührende Kooperationsbereitschaft, weil derart kompetente Stellungnahmen in der bisherigen Bürgerarbeit kaum vorkamen – insbesondere beim FORUM Quartiersentwicklung im gegenwärtigen Bebauungsplanverfahren zum letzten Bauabschnitt).
Mögliche Lösungsansätze
  • Hier werden von FORUM und Urbanes Wohnen neue praxisnahe Spielregeln erarbeitet, die eine Kooperation mit den zuständigen Behörden erleichtern.

Arbeit an den identifizierten Barrieren#

postiv]]
negativ
???
Mögliche Lösungsansätze
  • Arbeitsgruppe sind zu bilden für innovative Lösungsansätze zu Barrieren aus
Herkunft, Schicksal, Jahrgang, Vorlieben, Abneigungen, Bildung etc. sowie räumliche Definition von Barrieren in Form eines schwer zu überblickenden bzw. überwindenden Tellerrands“ (in Persönlichkeit, Haus, Nachbarschaft, Quartier, Stadtteil, Stadt, Land etc.)
  • Diskussion von Lösungsansätzen im Ackermannboten, im Vortragsprogramm der NB, in Hausgruppen, in privaten Gesprächen etc.

Diskussion Wie Barrierefrei ist der Ackermannbogen#

Im Diskussionsforum kann über die ein oder andere Bewertung die persönliche Meinung eingetragen werden. Das Nachbarschaftsbüro freut sich um weitere konstruktive Ergänzungen und Korrekturen. Sind die Schilder mit den Ruhezeiten nun positiv oder negativ? >>>

zum Weiterlesen#

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